{Camera obscura mit Digitalkamera}
In der 5. Klasse benutzen wir Schuhschachteln (mit kleinen Löchern) als Kameras und Photopapier als Film und entwickelten die Photos im Luftschutzbunker unserer Schule. Wir photographierten uns selber und jeden Gegenstand, den wir entdeckten. Die Leute auf den Bildern waren nur schwer zu erkennen, und trotzdem freuten wir uns über die Photos, ja wir liebten sie abgöttisch: Wir hatten sie selber erschaffen.
Um ein wenig nostalgische Gefühle zu erleben, wollte ich aus meiner Digitalkamera ebenfalls eine Camera Obscura bauen. Natürlich hätte ich auch eine Schuhschachtel nehmen können, aber dann hätte ich auf jede Photo noch 10 Minuten warten müssen! Hier ein kleiner Bericht, wie ich vorging. Man kann das im Prinzip mit jeder Kamera machen, bei der man das Objektiv entfernen kann.
{Vorbereitungen}
Benötigtes Material
Sofern man eine Spiegelreflexkamera besitzt, kommt man mit folgenden Materialien aus. (Bei Kompaktkameras muss man allenfalls mit Gewalt das Gehäuse öffnen, um die gewünschten Modifikationen vornehmen zu können. Ich rate allerdings davon ab, da solche Geräte anschliessend schwer wieder richtig zusammenzubauen sind.)
- Überzähligen Gehäusedeckel
- Schwarze Pappe
- Klebstoff
- Nadel
- Bastelwerkzeuge
Vorgehen
Zuerst legt man sich so ein wenig die Materialien bereit:
Mit einem spitzen Gegenstand schneidet man dann eine Öffnung in den Gehäusedeckel. Theoretisch könnte man auch direkt ein Loch in diesen Deckel machen, dies ist aber aus zwei Gründen nicht so praktisch:
a) Das Material ist schwer zu bearbeiten, ein feines Loch wird ohne Bohrer also nicht gelingen.
b) Falls wir später einmal die Blende ändern möchten, geht das leichter, wenn man einfach die Pappe wechseln kann.
Dann versieht man den Gehäusedeckel mit dem Klebstoff; in diesem Fall ein doppelklebiger Klebestreifen.
Aus der Pappe schneidet man anschliessend ein Stück aus, das auf den Gehäusedeckel passt. Das Material sollte lichtundurchlässig sein.
Das Stück Pappe ist nun also die Blende. Mit einer Nadel kann man nun die Blendenöffnung pieksen. Je grösser die Öffnung, desto mehr Licht kommt durch und desto kleiner ist die Tiefenschärfe.
Nun kann man die Pappe auf den bereits vorbereiteten Gehäusedeckel kleben.
Fertig! Diesen Deckel kann man nun auf die Kamera drehen. Möglicherweise muss man die Kamera noch ein wenig umkonfigurieren, damit sie auch Photos schiesst, wenn kein Objektiv drauf ist. Besondere Objektiveinstellungen müssen wir aber nicht tätigen, da wir die Belichtungszeit eh im manuellen Modus per Trial-and-Error-Verfahren ermitteln. Dies weil wir weder die genaue Blendenöffnung kennen noch die Brennweite.
Ich wollte noch ein Bild von der Kamera mit dem Deckel auf zeigen, aber da ich nur diese Kamera hier habe im Moment, konnte ich lediglich ein "Spiegel-Selbstportrait" versuchen. Es wird schnell klar: Eine Camera Obscura braucht viel Licht für vernünftige Photos!
{Resultate}
Am meisten interessiert nun aber, wie denn die Bilder herausgekommen sind. Verglichen mit den Photos einer modernen Kamera (einer mit Objektiv mein ich) sind die Bilder technisch natürlich eher schlecht.
(Die Schärfe ist bei den meisten an der unteren Grenze, könnte aber durch eine kleinere Blendenöffnung erhöht werden (dies würde dann aber auch die Belichtungszeit verlängern)!)
Ich mag die Bilder trotzdem; sie erinnern mich auch ein wenig an Lomographien. Da technische Aspekte wie Schärfe und Belichtungszeit eher in den Hintergrund treten oder allenfalls über den Daumen gepeilt eingestellt werden, kann man sich wieder um den Inhalt des Bildes kümmern. Auch das Photographieren selber wird wieder zu einem Spektakel; für ein Portrait etwa muss die Person schliesslich 30 Sekunden stillsitzen! :)
Bilder
Das erste Bild aus dem Fenster. Nicht schlecht.
Das zweite Bild aus dem Fenster. Hier hatte ich dann die Blende (also das kleine Loch) noch ein wenig ausgeweitet, weil ich nicht so lange warten wollte. Deshalb ist es auch unschärfer!
Selbstportrait. Das Problem war hier, dass ich nicht 20 Sekunden stillsitzen konnte, und so ist der Kopf im Vergleich zum Fensterrahmen ungleich verschwommener, wegen der Bewegungsunschärfe.
Noch ein Hausdach.
{Remarks}
Aufgrund der ausgeprochen kleinen Blende ist die Tiefenschärfe extrem hoch. Das bedeutet, dass man Dreck auf dem Sensor sehr gut sehen kann. Vor den nächsten paar Photos sollte ich also vielleicht einmal den Staub vom Sensor entfernen. :)
